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Gästeabend am 20. März 2015

Toleranz ist der Verdacht, dass der Andere Recht hat.

 

Mit dieser Feststellung von Kurt Tucholski wurde eine Diskussion über den Sinn des Lebens anhand der Positionierung der drei großen Weltreligionen Judentum, Christentum und den Islam eingeleitet.

In der aktuell sehr spannungsgeladenen Zeit, ist zu beobachten, dass sich vermeintlichen Wahrheiten auf der einen und der anderen Seite von Konfliktparteien sehr rasch in gewaltbereite Handlungen umsetzen, ohne die Sichtweise der Anderen ausreichend zu kennen geschweige denn zu respektieren.

In einem szenischen Vortrag über die geistigen Grundzüge bedeutender Philosophen des 12. – 13. Jahrhunderts wurden deren Erkenntnisse in Bezug auf aktuelle weltpolitische Krisen diskutiert.

Eine Konzentration auf die Frage nach dem Sinn des Lebens berührt die Menschheit, den Menschen selbst und gibt den Blick frei auf wesentlich Faktoren des Zusammenlebens.

Wissenschaft und fortgesetzte Lernbereitschaft sind ein fundamentaler Baustein für ein freies, glückliches und selbstbestimmtes Leben aller Menschen unabhängig von Rasse, Religion und Geschlecht (Averoes alias Ibn Ruschd).

Die intellektuelle Trennung von Wissenschaft und Glaube und einer Gesellschaftsordnung in der Pflichten einen Vorrang gegenüber den Rechten haben (Maimonides alias Moses ben Maimon).

Die Anerkennung der Gleichheit aller Menschen auf Grund ihres physischen Daseins und einer selbstbestimmten Lebensführung in der Akzeptanz unterschiedlicher Glaubensgrundsätze (Alfons X, der Weise).

Die Übereinstimmung im Glauben unabhängig von der Religion in der Akzeptanz der Schöpfung (Ibn Arabi alias Muhyiuddin Muhammad Ibn Arabi).
 

Hinweise zu den Philosophen:

 

Averroes alias Abu Al-Walid Muhammad ibn Ahmad ibn Muhammad ibn Ahmad ibn Ahmad ibn Ruschd (1126 – 1198) ist einer der berühmtestes mittelalterliche Kommentator des Aristoteles. Er war Naturwissenschaftler, Philosoph und Theologe.

Maimonides alias Moses ben Maimon (1138-1204) gehört zu den bedeutendsten jüdischen Gelehrten des Mittelalters. Sein wissenschaftliches Werk hat nicht nur die Entwicklung des Judentums in außerordentlich starkem Masse beeinflusst, sondern auch auf die europäische Scholastik, namentlich auf Albertus Magnus und Thomas von Aquino eingewirkt. Maimonides sah es als seine Aufgabe an, aristotelische Philosophie und Offenbarungsreligion zu einer Synthese zu bringen. Er wirkte als Philosoph, Arzt und Führer einer jüdischen Gemeinschaft. Abhandlungen auf talmudischem Gebiet, philosophischen Schriften und Medizin.

Alfons X, der Weise, König von Kastilien und León, Deutscher Kaiser, (1221 -1284) gilt als Schöpfer der modernen kastilischen Schriftsprache. Begründer eine Art Akademie, die nach seinen Direktiven umfangreiche historische, juristische und astronomische Enzyklopädien verfasste, denen das europäische Mittelalter nichts Gleichartiges zur Seite zu stellen hat. Hervorzuheben ist insbesondere seine kulturhistorisch-linguistische Leistung.

Muhyiuddin Muhammad Ibn Arabi (1165 – 1240) gilt als einer der bekanntesten Mystiker mit starkem Einfluss auf die allgemeine Entwicklung des Sufismus.

Literatur:
- Der Sinn des Lebens in Al-Andalus, Hrsg. Fundacion Roger Garaudy, Cordoba Dep. Legal: CO 1.008-1995

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